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Wissensbilanz vs. Wissensbilanz 2.0

Der eine oder andere hat es vielleicht schon mitbekommen: seit einiger Zeit gibt es in Deutschland den Versuch, neben der "Wissensbilanz made in Germany" die sog. "Wissensbilanz 2.0" als die "echte Wissensbilanz" zu promoten. Maßgeblicher Akteur ist hierbei ein gewisser Sedat Özcelik. Im Umfeld tauchen weitere Beteiligte wie z.B. Prof. Lindner und Prof. Günther Koch auf. Ich habe mittlerweile bei verschiedenen Gelegenheiten mit diesen Personen gesprochen, um mir ein Bild von der Lage zu machen und das ist mein Stand bisher:

  • Ein Großteil der Inhalte, die sich unter dem Label "Wissensbilanz 2.0" verbergen gehen auf das Seneca-Projekt zurück. Seit diesem Projekt ist inhaltlich nichts wesentliches dazu gekommen.
  • Auf den Seiten der Wissensbilanz 2.0 tauchen die Grafiken der österreichischen Wissensbilanz (ARC, Günther Koch) auf. Dies hat eher Marketinggründe, es hat in diese Richtung keine echte Weiterentwicklung gegeben.
  • Desweiteren ist ein Bild im Internet erschienen, das Sedat Özcelik zusammen mit Leif Edvinsson und Günther Koch auf der KnowTech zeigt. Dieses Bild sollte allerdings nicht suggerieren, dass die beiden den Ansatz unterstützen, das Bild war arrangiert und wurde auf wunsch der beiden wieder entfernt.
  • Von der "Wissensbilanz 2.0" gibt es keinen seriösen, öffentlch bekannten Anwendungsfall (einziges seriöses Dokument ist nach wie vor der Seneca-Fall mit RWE von Prof. Lindner, Hr. Özcelik war damals Programmierer in diesem Projekt).
  • Die WB-2.0-Akteure hatten sich die Domain akwissensbilanz.DE (Ähnlichkeiten mit der echten Seite akwissensbilanz.ORG sind unübersehbar). Diese Domain ist mittlerweile nach rechtlichen Schritten des Fraunhofer IPK wieder offline.

Der neueste WB-2.0-Schachzug ist die Veröffentlichung eines sog. IC-Calculator, eines Online-Tools mit dem eine Firma sich eine Wissensbilanz erstellen kann. Ich habe mich zu diesem Tool angemeldet und war verwundert, dass man dort Daten wie Standorte, Kontaktdaten der Mitarbeiter und sogar die persönliche Einschätzung der Mitarbeiter eintragen sollte (siehe Screenshot unten). Eine erste kritische Nachfrage im Xing-Forum Wissensbilanz wurde von Hr. Özcelik (er ist dort Moderator) per Zensur gelöscht, bei einer erneuten Nachfrage wurde ich von ihm aus der Gruppe entfernt.

Mich würde interessieren, ob irgendjemand aus der KM-Szene den IC-Calculater ernsthaft genutzt hat und was sein Eindruck ist. Antwort bitte öffentlich hier per Kommentar oder direkt an mich per Xing oder E-Mail.

Kommentare

Bild von boris.jaeger

Also ich sehe dem Trauerspiel

Also ich sehe dem Trauerspiel "Oxymoron: Wissensbilanzen" schon seit einiger Zeit zu (seit 2007 glaube ich) und habe auch schon über die "gepflogenheiten" der Protargonisten in unserer XING-Gruppe 'Knowledge Management' berichtet. Die engl. Version der WB in Germany heißt übrigens 'Intellectual Capital Statements - Made in Europe'. Das nur so am Rande, zum Nachdenken.

Beiläufig möchte ich auch bemerken, dass die Gepflogenheiten der Protargonisten nicht nur einseitig (gewesen) sind.

Ja, es ist ein Kampf, David (WB2.0) gegen Goliath (WB made in Germany), mit dem BMWi und dem Fraunhofer IPK auf Goliaths Seite. Vielleicht ist deshalb die WB made in Germany ja deshalb erfolgreich (wie man so hört), weil sie und die Unternehmen die sie einführen, gefördert werden.

Wie auch immer, ich freue mich endlich von einem "Friedensangebot" zu hören, Herr Prof. Lindner.

 

Mit freundlichem Narri Narro von der verschneiten Alemannischen Fastnacht

Boris Jäger - "Curiosity is the beginning of all learning!"

Bild von hglindner

Wissensbilanz

Wissensbilanz 2.0                          

 

Hallo allerseits,

der Kommentar liest sich gut, ist aber in Teilen zu kommentieren. Ich frage mich schon seit langem, warum mich noch keiner direkt angesprochen hat. Meine Mail findet sich ja im Web: hans-guenter.lindner (at) fh-koeln.de

Die Sache mit der Wissensbilanz 2.0 ist ganz einfach. Die Kernidee dazu entspringt meiner Erfahrung auf dem Markt i.V.m. BWL:

  • Die Wissensbilanz in ihrer bisherigen Form ist für eine Vermarktung in der wirtschaftgetriebenen Praxis problematisch. Es ist mehr eine SWOT-Analyse plus KPIs kombiniert mit vernetztem Denken. Das hilft aber nicht, denn vor allem größere Firmen / Organisationen, die diese erstellten, zeigten sich im Gespräch mit mir enttäuscht über die Ergebnisse. Andere wiesen direkt diese Art der Darstellung zurück, denn die kaufmännischen Geschäftsführer würden so etwas nicht akzeptieren und die Reputation der Projektgruppe wäre dann nicht mehr gegeben. Die letzte Äußerung eines wirklich kompetenten GF aus der deutschen Szene war "und das braucht irgendeiner?" Daraufhin hab‘ ich das Thema vorerst ad acta gelegt.
  • Des Weiteren habe ich einige dieser Bilanzen analysiert und normalen Bilanzen inhaltlich gegenübergestellt. Das Problem ist hier: Die bisherige Wissensbilanz ist im Wortsinn keine, denn und jetzt kommt's:
  • Wenn das Wort Bilanz in Kombination mit Personal genutzt wird, dann wollen Entscheider Fakten sehen und das Denkschema rutscht zwangsläufig in das einer klassischen Finanzbilanz. Die Wissensbilanz in der bisherigen Form wird dann abgelehnt. Dazu kommt, dass man vom Personalwesen endlich einmal harte Daten erwartet und nicht mehr das Weiche der Vergangenheit: Prozessorientierung, KPIs, Leitstand etc.

Fazit:
Wenn wir alle an einem Strang ziehen wollen, was ich für überfällig halte, dann sollten wir folgendes klarstellen

  1. Die WB ist ein guter Ansatz zur strategischen Beratung
  2. Die WB findet (noch?) keine breite Akzeptanz, zumindest in Relation zum Gesamtmarkt
  3. Es muss ein Weg zur Integration - zumindest Vergleichbarkeit - mit der klassischen Bilanz aufgezeigt werden.
  4. Ein Konzept dazu habe ich in petto, aber ich habe noch nichts veröffentlicht, um nicht vorzeitig „zerfetzt“ zu werden.

Die von mir vertretene WB 2.0 ist ein Aufruf zu "Weiter so, aber anders": Mehr Austausch mit der BWL und insbes. dem externen Rechnungswesen. Vorschlag also: wir sollten uns endlich mal alle an einen Tisch setzen. Der Markt ist so groß, dass für jeden viel bleibt. Keiner ist schlauer als der andere, nur anders.

Zu den anderen Kommentaren:

  • Die Veröffentlichung auf der KnowTech hat nichts mit einer Wissensbilanz zu tun. Es zeigt lediglich einen innovativen Ansatz für WM, der Qualifiaktions- und Wissensmanagement verbindet. Und das über die Kombination aus Prozessen und Wissensaustausch. Humanwerte spielten keine Rolle, denn das ist nämlich rechtlich ein riesiger Fettnapf!!
  • Ich hatte nie etwas mit irgendeiner der zitierten Websites zu tun. Da ist viel falsch gelaufen, was ich den Beteiligten auch unmissverständlich sagte! Das gleiche gilt m.W. auch für Kollegen Koch.
  • Die Domäne akwissensbilanz.org ist für eine Vermarktung sehr ungeschickt. Warum legt man nicht eine Plattform wissensbilanz.de auf? Die Eigner werden sicherlich nicht nein sagen, wenn über eine Beteiligung gesprochen werden kann.

Zu Herrn Özcelik, der immer wieder in die Schusslinie gerät:

  • Eigentlich wollte er wohl nur auf sich aufmersam machen und sagen "Leute, da gibt es noch mehr und ich habe da einen Ansatz". Er wurde ignoriert und so, wie es der alte Freud schon beschrieben hat, klopft der an die Tür, vor der er vorher ausgesperrt wurde.
  • Seine Visionen sind zu groß und da verschluckt man sich halt leicht.
  • In der Projektarbeit hat er sehr gute und innovative Arbeit gezeigt. Gradlinig und innovativ, superschnell in der Umsetzung. Ich mache nur noch Projekte im "Alpinstil": Keine Expeditionen mit 150 Mann, sondern 3 gehen ohne Sauerstoff hoch. Dazu ist er der Richtige.
  • Er hat Fehler gemacht und die kennt er alle. Hier gilt es, verzeihen zu können.
  • Der Ansatz des IC Calculators ist nicht grundsätzlich verkehrt und zeigt schon in eine richtige Richtung. Das Problem beim Kunden: Die wollen eigentlich meist eigene Werte eintragen und nun passiert das Gleiche wie bei allen Qualifikationsprofilen: Jeder macht ne eigene Suppe und nichts ist mehr im gesamtwirtschaftlichen Kontext nutzbar.

Mein Vorschlag:

  1. Wir setzen uns mal alle zusammen und klären die latenten Probleme persönlich und veröffentlichen das. M.W. hat sich Kollege Koch schon einmal in diesem Sinne bemüht.
  2. Wir tragen alle Konzept zusammen (open source - keine Eitelkeiten).
  3. Wir machen eine Strategie, wie man das Thema WB konstruktiv nach vorne bringt. Vor allem am Markt!!
  4. Wir müssen Lobby-Arbeit betreiben, denn solange es keine rechtlichen Grundlagen da sind, wird kein Wirtschaftsrpfrüfer und kein CFO auch nur einen Finger krümmen.
  5. Auch Quertreiber sind einzubinden, denn die bringen einen auf neue Ideen, selbst wenn es manchmal weh tut. Kann ja auch sein, dass weniger dahinter steckt, als der Einzelne vermutet.

Auf geht's! The world ain't big enough for the both of us - it's bigger.

hgl

Bild von simon.dueckert

Hallo Herr

Hallo Herr Lindner,

zusammensetzen ist immer ein guter Weg. Ich hatte das im Rahmen eines New Club of Paris Treffen mit Günther Koch auch schon einmal besprochen. Damit aber alle Beteiligten davon überzeugt sind, dass sich ein Treffen lohnt, sollten nach Möglichkeit vorher alle Karten auf dem Tisch liegen. Der AK Wissensbilanz (die deutsche Übersetzung von "Intellectual Capital Statement" halte ich übrigens auch für unglücklich) hat dies mit dem Leitfaden "Wissensbilanz made in Germany" bereits getan. Von der "Wissensbilanz 2.0" liegt leider noch keine Beschreibung vor, dieser Punkt steht noch aus, bevor es zu einem Treffen kommen könnte.

Für meine Person gilt: ich bin weder Vertreter des einen noch des anderen Lagers. Wir machen bei Cogneon unsere Wissensstrategie-Projekte und Wissenscontrolling-Ansätze auf Basis der Balanced Scorecard und den Arbeiten von Michael Zack (natürlich unter Einbeziehung von Erkenntnissen aus der IC-Community). Ich glaube nur einfach, dass die Auseinandersetzungen rund um die Wissensbilanz aus dem letzten Jahr dem ganzen Thema Wissensmanagement schadet und deswegen mein Apell an alle Beteiligten: miteinander sprechen, statt miteinander streiten und bei allen Aktivitäten fair bleiben (dazu gehört z.B. auch die Anerkennung der Leistungen der österreichischen Wissensbilanz-Szene, die große Teile der Vorarbeiten für die WB made in Germany geleistet hat)!

In der GfWM wurde auch schon mal diskutiert, ob neben dem bestehenden Fachteam Wissensmanagement evtl. auch ein "Fachteam Wissenscontrolling" gegründet werden sollte. Diese Idee ist nicht vom Tisch, vielleicht könnte das eine "neutrale Dialog-Plattform" bieten. Dort sollten dann aber nicht nur "Wissensbilanz made in Germany" und "Wissensbilanz 2.0" eingebracht werden, sondern auch Ansätze wie die Balanced Scorecard (die ca. ein Jahrzehnt Implementierungsvorsprung hat) der Schmalenbach-Ansatz zum Monitoring von intellektuellem Kapital im Lagebericht von Aktiengesellschaften (ein Modell, das auf 7 statt 3 Kapitalarten basiert und über den Deutschen Rechnungslegungsstandard (DRS) empfohlen ist).

 

Viele Grüße
Simon Dückert