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Kommentar: Wissensmanagement und die unbehaglichen Fragen

Selbst ein positiv besetztes Thema wie Wissensmanagement weist Aspekte auf, die zumindest Unbehagen verursachen: ... ACTA, xKeyscore, Anonymous, Wikileaks, Kritik am Bologna-Prozess, Meldegesetz versus Informationsfreiheitsgesetz, TEMPORA, G-10-Gesetz, Leistungsschutzrecht, Big Data, Blockupy, PRISM, NSA, Bundesnachrichtendienst, Edward Snowden, Bradley Manning, ... Bei den damit verbundenen Ereignissen ging und geht es recht konkret um zentrale Aspekte des Wissensmanagements.

Und immer ist ein gewisses Unbehagen mit im Spiel, da hier zunehmend Fragen und Probleme aufgeworfen werden, die sich mit routiniert nüchterner, mitunter distanzierter Haltung der Wissensexperten nicht lösen lassen.

Drohendes Paradox

Gerade die Zusammenhänge um Edward Snowden und Bradley Manning führen ein Paradox vor Augen, in das eine fachliche Organisation wie die GfWM und ihre Teilnehmer nicht geraten dürfen:

Die Mitglieder und Interessenten des Vereins nehmen für die Ausübung ihrer fachlichen Engagements selbstverständlich Freiheiten und Grundrechte, Infrastruktur und Ressourcen in Anspruch. Doch Einflußnahmen, Manipulationen und sogar Pläne zur Beschränkung von damit verbundenen Parametern mit Blick auf Information und Wissen werden aus dem sichtbaren, fachlichen Engagement ausgeblendet. – Warum?

Für die Teilnehmer einer fachlichen Organisation mit Fokus auf den Umgang mit Wissen erschiene es doch paradox, die kritische Auseinandersetzung mit unbehaglichen Fragen des eigenen Metiers anderen zu überlassen. – Und noch schlimmer: die stille Genugtuung und womöglich nur schweigende Zustimmung, wenn jemand anderes zu diesen Fragen Stellung bezieht, handelt und Konsequenzen in Kauf nimmt ...: „Gut, dass das mal einer gesagt hat!“ – Gegenfrage: Warum sagen Sie’s nicht selbst?

Einladung zur Auseinandersetzung

Das neue Mission Statement der GfWM ist nicht nur eine prägnante und aktuelle Zusammenfassung der anspruchsvollen Inhalte und der Ausrichtung des Vereins. Es ist auch eine ermutigende Einladung zur Auseinandersetzung mit kritischen Entwicklungen und Ereignissen beim Umgang mit Wissen. Das Mission Statement der GfWM lädt sowohl die Teilnehmer des Vereins als auch externe Interessenten dazu ein, politische und gesellschaftliche Absichten und Aktivitäten beteiligter Gruppen aufmerksam zu beobachten. Gerade vor dem Hintergrund der eigenen Expertise als Wissensarbeiter und Wissensmanager lässt sich so ein kritisches Verständnis entwickeln, das angesichts kritischer Entwicklungen auch zum Ausdruck gebracht werden muss.

Der professionelle und verantwortungsbewusste Umgang mit Wissen – die Weiterentwicklung von Wissensmanagement in Theorie und Praxis – der Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Gesellschaft … Neben der rein fachlichen Auseinandersetzung finden wichtige Aspekte des Wissensmanagements also auch und gerade im kulturellen, sozialen und politischen Alltag statt. In diesem Kontext motiviert das neue Mission Statement der GfWM Experten und Interessierte zu aktiver Auseinandersetzung und zu sichtbarer Stellungnahme.

(Dieser Kommentar ist in der aktuellen Ausgabe 4 des GfWM newsletter veröffentlicht. Wie ist ihre Meinung dazu?
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